Pitch please!

21. März 2019
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21. März 2019 Carina Hollerer

Wer dachte, dass Tinder empathisch echt reduziert Menschen zueinander bringt, der war noch nie an Pitches oder auch „Agenturausschreibungen“ beteiligt.

In der Praxis wird seit vielen Jahren über den Verfall der Pitch-Kultur in Deutschland und Österreich geklagt. Vieles läuft falsch, aber was genau? Anekdoten der jüngsten Zeit zeigen, wie sehr dieses Feld erodiert: Ausschreibungen müssen beispielsweise im Nachgang mühevoll von Hand evaluiert werden, um überhaupt vergleichbare Ergebnisse zu bringen. Auftraggeber berichten über Pitchberater, die die komplexen Aufgabenstellungen, für die ein Dienstleister gesucht wird, bedingt durch die fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation nicht einmal ansatzweise nachvollziehen können.

Fehlende Wertschätzung den TeilnehmerInnen gegenüber, zu hohe Kosten und zugleich zu wenig bis gar keine Abstandshonorare, massive Aufwände durch immer mehr Regulatorien und intransparente TeilnehmerInnen-Auswahl, sowie mangelndes Know-how von Pitchberatern bei Themenfeldern wie Online, Social Media und Performance, … werden allerorts beklagt.

All das ist wahrlich Grund genug, um sich kritisch mit dem Thema der Berater-/Agentursuche auseinanderzusetzen.

Another one bites the dust

Per se müssen für Pitches immer häufiger BeraterInnen herangezogen werden, um den Workload, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Vielfalt und Professionalität in der Umsetzung zu garantieren. Die Rahmenbedingungen sind aber alles andere als rosig: Die Zeiten in der Marketing-, Werbe- und Kommunikationsbranche waren schon mal besser. Steigender, wirtschaftlicher Druck bringt mit sich, dass auch Ausgaben für Dienstleistungen sinken. Der Konkurrenzdruck wächst. Kurzfristiges Überzeugen mit „großer Show“, aufpolierte Präsentationen und Dumping-Angebote sind Realität. Das schafft Unzufriedenheit auf beiden Seiten.

Eine Ausschreibung ist alles andere, als ein leicht in den Arbeitsalltag zu integrierender Arbeitsbrocken, der erst mal verdaut werden will. Wenn auch nötig, so ist der Wille Zeit einzusetzen vielleicht noch da, doch die ebenso nötigen Geldmittel – Stichwort: Abstandshonorare – werden immer wieder in Frage gestellt.

Das Wort „Partnerschaft“

…impliziert, dass beide Partner durchkommen müssen. Gemeint ist die nachhaltige Wertschöpfung kreativer Arbeit, die effiziente und auch zielführende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und BeraterInnen. Hierzu muss die Kommunikation offen und auf Augenhöhe geführt werden. „Kommunikationsfähigkeit“ ist schließlich das, was in der künftigen Partnerschaft zählt. Nur so können Unklarheiten bereits in frühen Projektphasen geklärt werden.

Klar ist also:

  • Wenn man sich als Unternehmen entscheidet, einen Pitch durchzuführen, müssen entsprechende Ressourcen in Form von Zeit und Geld eingesetzt werden.
  • Das Briefing ist immer wieder einer der erheblichsten Kritikpunkte und gleichzeitig, das wichtigste Element eines Pitches
  • Ein Pitch ist mit erheblichem Aufwand verbunden und kann ein „Zeitfresser“ sein, der bei großen Projekten ein halbes Jahr oder auch länger dauern kann.
  • Insofern kommt der professionellen Betreuung von Pitches eine erhebliche Bedeutung zu.
  • Spielregeln, die Entscheidungssicherheit und Klarheit geben, brauchen einen strukturierten und transparenten Prozess. Auswahl-Kriterien, Briefing, Beurteilung sind hier die wesentlichen Elemente – speziell auch dann, wenn es vermehrt in Chemistry-Workshops, o.ä. geht. Was ist die Basis für die „passende Chemie“? Ein „gutes“ Bauchgefühl?
  • BeraterInnen, Agenturen müssen lernen, klar, offen und interessiert zu kommunizieren. Denn – bei allem Wettbewerbsdruck – es macht nur wenig Sinn, mehr Kraft in die Neuakquisition von Kunden als in die laufende Zusammenarbeit mit Auftraggebern zu investieren.

Weg vom beauty contest

Bei all diesen Punkten scheint es offensichtlich zu sein, dass „reine Beauty Contests“ nur mehr bedingt sinnvoll sind. Tiefere Auseinandersetzung, Problemlösungskompetenz, Kreativität nicht nur in Sujets, sondern in Herangehensweisen, sind „heiß begehrt“.

 

 

 

 

 

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